Nikolaus Lange
Entwicklungsleiter Intel Deutschland, Braunschweig
Hannover, 24.06.2009
Man kann sagen, ich habe den klassischen Bildungsweg genommen: Erst Grundschule, dann Gymnasium und nach dem Abitur ging es an die Universität. Aber ganz so klassisch war mein Bildungsweg dann doch nicht. Aus beruflichen Gründen war meine Familie zu häufigen Umzügen gezwungen. So kam es, dass ich alle paar Jahre eine andere Schule besuchte - das bedeutete neue Schulsysteme, neue Lehrer und natürlich neue Freunde. Wenn man so will, reagierte ich auf die ständig wechselnden Umfelder mit sozialer Fortbildung: Ich merkte schnell, dass mir ein offenes Zugehen auf die Leute viel dabei half, mich immer wieder neu zu integrieren. So kommt es auch, dass ich nicht nur immer neue Freunde fand, sondern bis heute Freunde an vielen Orten Deutschlands habe.
Die häufigen Wohnortwechsel brachten es auch mit sich, dass ich sehr viele unterschiedliche Lehrertypen und deren pädagogische Konzepte kennen lernte. Das half mir viel beim eigenständigen Lernen in den oberen Klassenstufen und im Studium, denn dank der vielen Einflüsse kannte ich unterschiedliche Technikender Wissensvermittlung und -aneignung. Ich konnte mir genau die rauspicken, die bei mir am Besten fruchteten. 1979 hatte ich in der achten Klasse erstmals Kontakt zu einem Computer - damals eine absolute Seltenheit, die mein Interesse sofort weckte. Vielleicht war dieser Kontakt auch ein Grund dafür, dass ich später Mathe und Physik als Leistungskurse in der Abiturstufe wählte. Während der Schulzeit nahm ich zusammen mit Klassenkameraden auch regelmäßig an Schülerwettbewerben wie Jugend forscht teil - und fast immer widmeten wir uns dabei mathematischen und physikalischen Knobeleien.
Schließlich studierte ich Elektrotechnik in Braunschweig, weil hier zusätzlich auch ein wirtschaftwissenschaftliches Aufbaustudium möglich war, das ich für zweckmäßig hielt. Ein Jahr verbrachte ich als Student in Toulouse - keine lange Zeit, aber doch genug, um andere Arbeits- und Lebensphilosophien kennen zu lernen. Mein Studium prägte mich und zusammen mit Kommilitonen gründete ich meine erste Firma noch während der Studienzeit. Leider ging das Vermarktungskonzept für unsere computergesteuerten digitalen Mischpulte nicht ganz auf, aber unser Start-Up war für mich ein erster Probelauf, für das was später folgen sollte.
Nicht, dass jetzt der Eindruck entsteht, ich hätte mich nur für die Naturwissenschaften und Technik begeistert. Ich nahm auch beispielsweise an der Theater-AG teil und hatte meine eigene Band; bis heute spiele ich Klavier und Klarinette. Auch im Musikunterricht kann man für das Leben lernen! Ich halte kulturelle und humanistische Bildung für mindestens genauso wichtig, wie die fachliche Bildung, weil sie den Menschen im Leben verankert. Die fachliche Bildung eröffnet berufliche Chancen, die kulturelle begünstigt persönliche Entwicklung und beides zusammen ermöglicht nachhaltigen sozialen Aufstieg.
Ich glaube, dass heutzutage noch ein weiterer Faktor eine entscheidende Rolle spielt, nämlich die Bildung im Umgang mit Medien. Jugendliche sind in unserer jetzigen Welt einem riesigen Angebot an Information und Informationskanälen ausgesetzt und prinzipiell ist fast jede Information jederzeit verfügbar. Wem es gelingt, hier Kompetenzen zu erwerben, die Informationen sinnvoll zu sortieren und zu filtern und PC, Netbook, Handy, Smartphone und was es noch alles gibt zum eigenen Bildungs-Vorteil einzusetzen, der wird es weit bringen - im Beruf und im Privaten.
1999 gründete ich mein zweites Unternehmen, nachdem ich mehrere Jahre bei einer mittelständischen Firma gearbeitet hatte, erst als Rädchen im Getriebe und später sogar in der Geschäftsleitung. Diesmal hatte ich mehr Erfolg als in der Studienzeit und bereits 2000 wurde meine Firma ein Teil von Intel. Mittlerweile trage ich als Entwicklungsleiter von Intel Verantwortung für neueste Mikroprozessorentwicklungen, eine Position, die mir erst durch Bildung möglich wurde. Meine Bildungsgeschichte ist damit aber nicht zu Ende, denn Bildung ist in jeder Form wertvoll und sowohl beruflich als auch privat sollte man mit dem Lernen nie aufhören!
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