Durchhaltevermögen zeigen!

Tilo Hoffmann

Aufstiegsstipendiat 2008

Berlin, 16.12.2008

Foto: Tilo HoffmannDie Zeiten, in denen man eine Ausbildung absolviert hat, um danach bis zur Rente in diesem Beruf zu arbeiten, sind schon lange vorbei. Heute muss man sich, um es zu etwas zu bringen, ständig neuen Herausforderungen stellen. Unser Staat ist schon seit geraumer Zeit im Wandel vom Produktionsstaat hin zum Dienstleistungsstaat, in dem Bildung eine fundamentale Rolle spielt.
Um den wachsenden Herausforderungen auf dem Arbeitsmarkt gerecht zu werden, bedarf es Flexibilität, Verantwortungsbewusstsein und vor allem Durchhaltevermögen. Durchhaltevermögen spielte auch in meinem bisherigen Werdegang eine große Rolle, da ich seit nunmehr fast elf Jahren mit Bildung konfrontiert werde.
Von 1988 bis 1998 besuchte ich die Regelschule, die mit dem Realschulabschluss endete. Ich kann an dieser Stelle nicht von mir behaupten, dass ich einer der Besten war, jedoch hatte ich in den Fächern, die mich interessierten - Mathematik und Geschichte - gute Noten.
In der Schulzeit absolvierte ich mehrere Praktika in der Firma meines Vaters. Dadurch gewann ich erste interessante Eindrücke über das Berufsbild des Brunnenbauers. In der Gesellschaft ist dieser Beruf eher als aussterbender Zweig verpönt und relativ unbekannt. Bedenkt man jedoch, dass Wasser unser wichtigstes Lebenselixier ist, trägt dieser Beruf doch eine hohe gesellschaftliche Verantwortung, was wiederum für mich ein guter Grund war, diesen Beruf zu erlernen. Natürlich trägt es auch einen gewissen Reiz, eine Ausbildung anzufangen, die nicht jeder macht.
Von 1998 bis 2001 erlernte ich den Beruf des Brunnenbauers. Diese Ausbildung machte mir sehr viel Spaß. Dadurch, dass alles für mich interessant war, war ich bei der Gesellenprüfung auch einer der Besten. Nachdem ich den Bundeswettbewerb der Brunnenbauer gewonnen hatte, bekam ich finanzielle Unterstützung durch die Bundesregierung.
Von 2001 bis 2004 arbeite ich deutschlandweit als gelernter Brunnenbauer. Weiterbildung war für mich immer ein Thema, nur wollte ich nach der Ausbildung erst einmal Berufserfahrung sammeln und natürlich Geld verdienen. 2004 überlegte ich mir, wie mein zukünftiger Werdegang aussehen soll. Es gab die Möglichkeit zu studieren oder den Meisterbrief zu erlangen. Für ein Studium fühlte ich mich noch nicht bereit, da ich schon seit meiner Ausbildung den Meisterbrief machen wollte und ich auch noch die finanzielle Unterstützung für die Meisterausbildung bekam, entschied ich mich, den Meister im Brunnenbau zu machen.
Von 2004 bis 2005 absolvierte ich die vier Teile der Meisterausbildung und schloss mit einer guten Leistung ab. In dieser Zeit lernte ich Thematiken zur Projektierung von Baumaßnahmen im Spezialtiefbau und Brunnenbau kennen. Zu dieser Zeit reifte der Gedanke in mir, nach der Meisterausbildung noch weiter zu machen. Es kam für mich nur ein Studium infrage, da mich ingenieurstechnische Wissenschaften sehr interessieren.
Um das nötige Rüstzeug für ein Studium zu haben, fehlte mir das Abitur. Somit war mir klar, dass ich eine Hochschulreife noch vor dem Studium erlangen musste.
Um mal neue Leute kennen zu lernen und auch eine qualitativ hochwertige Ausbildung zu haben, entschied ich mich, ein Fachabitur in Ingolstadt anzugehen.
Von 2005 bis 2007 besuchte ich die Berufsoberschule Ingolstadt und erlangte mit guten Leistungen das Fachabitur. Zu Beginn der zwei Jahre fiel mir das Erlernen des Abiturstoffes schon sehr schwer. Es dauerte ca. ein halbes Jahr bis ich Fuß gefasst hatte.
Nun bin ich seit Herbst 2007 an der TU-Bergakademie Freiberg und studiere im dritten Semester den Ingenieur-Studiengang "Geotechnik und Bergbau". Das Grundstudium verlangt alles von einem ab und man muss Durchhaltevermögen zeigen, um diese große Herausforderung zu bestehen.
Falls ich jemandem einen Tipp geben kann, dann lautet dieser, dass man niemals aufgeben soll, an sich zu glauben. Es geht nicht darum, nur Erfolg zu haben, sondern auch aus Niederlagen zu lernen, um gestärkt aus ihnen hervorzutreten.

Das Buch unterwegs: Hier finden Sie interessante Informationen zur Buchtour quer durch Deutschland.

Aus dem Buch der Bildungsrepublik