Dipl.-Ing. Jürgen Voss
Oberstudiendirektor und Schulleiter an der Technikerschule der Stadt Braunschweig
Braunschweig, 23.01.2009
Während meiner Ausbildung zum Werkzeugmacher hörte ich manches Mal von den älteren Facharbeitern den Ausspruch "Dem Ingenieur ist nichts zu schwör*" (* schwer), wenn wieder mal eine anspruchsvolle Gesamtzeichnung eines Stanz- und Schneidwerkzeuges für den Neubau eines eben solchen Werkzeuges auf die Werkbank gelegt wurde. Technik war für mich schon von jung auf fesselnd: der Selbstbau kleiner Segelschiffe mit selbst geschnitztem Rumpf und selbst kreierter Takelage führte später zum "Stabilo-Metall-Baukasten" und zu "Faller-Flugzeugmodellbaukästen" mit stundenlanger Beschäftigung beim Zusammenbau.
War insbesondere die Mathematik in der Realschule noch ein Buch mit sieben Siegeln - was auch eine "Ehrenrunde" nach sich zog - platzte beim Besuch der Abendberufsaufbauschule während der Lehrzeit der bekannte Knoten. Kurz gesagt: Mathematik wandelte sich vom Feind zum Freund. Diese Freundschaft zur Mathematik ließ mich auch bei vielen anderen bislang unverstandenen Fachlichkeiten, z. B. der Physik, die "sieben Siegel" lösen.
In meinem Maschinenbau-Studium an der TU Braunschweig waren im Grundlagenbereich insbesondere Mathematik und Technische Mechanik meine Favoriten und sie sind es bis heute geblieben. Nach knapp einjähriger Berufspraxis als Ingenieur bei einem Technischen Überwachungsverein (TÜV) zog es mich dann in den pädagogischen Bereich. Der prägende Eindruck eines Berufsschullehrers und später die Erfahrungen, die ich als Hilfsassistent beim Betreuen von Seminargruppen im Studium gesammelt hatte, haben die Umorientierung zum Lehrerberuf bei mir bewirkt.
Seit fast 30 Jahren bin ich nunmehr als Pädagoge im Berufsschuldienst tätig, davon die letzten zehn Jahre als Schulleiter. Diese Berufswahl würde ich immer wieder so treffen. Der Unterricht mit hoch motivierten Erwachsenen, die sich vom Facharbeiter zum Techniker weiterbilden, ist auch für mich als Unterrichtenden anregend. Insbesondere dann, wenn ich die Studierenden so in die Mathematik und deren Anwendung hineinführen kann, dass frühere Schwierigkeiten oder gar Ängste weitestgehend verschwinden. Das Anknüpfen an die berufliche Ausbildung und Praxis der Studierenden und das Erarbeiten von Erkenntnissen und Einsichten in komplexe mathematische, naturwissenschaftliche und technische Problemstellungen, schafft einen für alle Beteiligten anregenden und abwechslungsreichen Unterricht.
Das Ganze wird zusätzlich mehrdimensional durch die gleichzeitige Entwicklung methodischer und persönlicher Kompetenzen bei den Studierenden. Doch nicht nur der Unterricht ist reizvoll sondern auch das Managen der Schule: die Arbeit mit dem Kollegium bei der Qualitätsentwicklung aller schulischen Bereiche und der wichtige Kontakt insbesondere zu den "Abnehmern": den Absolventinnen und Absolventen, den Firmen und Unternehmen. All das eben Beschriebene kann unter die Überschrift gestellt werden: "Nichts ist beständiger als die Veränderung", was nichts anderes bedeutet als die Aufforderung zum "Lebenslangen Lernen", denn: "Dem Ingenieur ist nichts ..."
Das Buch unterwegs: Hier finden Sie interessante Informationen zur Buchtour quer durch Deutschland.