Sandra Lindhorst
Biologin und Naturpädagogin, Mitarbeiterin im Bildungsbereich des Universum® Bremen
Bremen, 09.12.2008
In mir wurde schon früh das Interesse geweckt, die Natur der Dinge verstehen zu wollen. Ich bin auf dem Land groß geworden und mein liebster Spielplatz war die Natur. Wir haben alles untersucht: Wer lebt unter dem Moos? Wie fühlt es sich an, wenn eine Schnecke über meinen Bauch kriecht? Traue ich mich, einen Baum hochzuklettern?
Das genaue Hin(ein)schauen und "Verstehenwollen" (von Natur und Technik) hat vor allem mein Vater geprägt. Mit Vorliebe haben wir zum Beispiel alte technische Geräte auseinandergenommen, die er eigentlich reparieren wollte. Meine Mutter hat mir und meiner Schwester viele Anregungen in den unterschiedlichsten Bereichen geboten. Kreativ sein, lesen, mit Menschen agieren, wir haben vieles kennen gelernt und durften viel ausprobieren. Ihr Interesse an ihrer Mitwelt hat sie an uns weitergegeben. Ich denke, dass jeder Menschen bzw. Vorbilder braucht, die ihm helfen, sich weiterzuentwickeln.
Mich haben in bestimmten Bereichen immer die Menschen inspiriert, die selbst "Feuer gefangen" hatten. So erinnere ich mich gut an einen jungen motivierten Referendar in der 7. Klasse, der viel erstaunliches und anschauliches Material mit in den Mathematikunterricht gebracht hat. Habe ich mich deswegen immer mehr für Mathe interessiert und dieses Fach letztendlich als Leistungskurs gewählt? Oder lag es (auch) an meinem Mathelehrer, der sympathisch und sozial war? Seit ich selbst mit Kinder- und Schülergruppen arbeite, wird mir vollständig bewusst, wie wichtig Vorbilder sind, die begeistern und die Kinder und Jugendliche ernst nehmen.
Obwohl ich mich schon früh für physikalische Konstruktionen interessierte, wurde meine Begeisterung für das Fach durch die Schule gedämpft. Ich erinnere mich, dass ich in Physik überwiegend Regelsätze auswendig gelernt habe (die ich nach einer Klausur ebenso schnell wieder vergaß). Erst durch die Arbeit mit Kindern und im Universum Bremen habe ich viele dieser Gesetzmäßigkeiten wirklich verstanden! Mir musste zudem klar werden, dass Wissenschaft ein Prozess ist. Erkenntnisse ändern sich oder werden neu hinzugewonnen. Gerade im Informationszeitalter, wo dieser Prozess sehr schnell vor sich geht, ist es wichtig, flexibel zu sein und ein realistisches Bild von der Umwelt zu haben. Die großen Zusammenhänge sind dazu wichtiger als einzelne Fakten. Diese Erkenntnisse und mein Interesse, mehr über die Phänomene der Welt zu erfahren, möchte ich weitergeben.
Natürlich erlebe ich auf meinem Bildungsweg auch immer wieder Umwege. Ich bin niemand, der von frühester Kindheit nur ein Ziel im Leben hatte. Meine Ziele ändern sich. Mir ist es wichtig, immer wieder anzuhalten, um zu schauen, wo ich stehe, was ich will und was ich kann. Dabei helfen mir Menschen, die mir auf meinem Weg begegnen.
Ich möchte gerne Impulse geben, die Kinder, Jugendliche und auch Erwachsene motivieren, sich mit Naturwissenschaften auseinanderzusetzen und Lernen als etwas Spannendes und Schönes zu empfinden.
Solche Impulse gab es in meiner Laufbahn zum Glück immer zur richtigen Zeit. Die Impulse waren Menschen, die mich begeistert, bestärkt und mir geholfen haben. Menschen, die an mich glauben.
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