Bildung macht Spaß, wenn sie Erfolg hat!

Andrea Santel

Leiterin der Geschäftsstelle des BELOS-Netzwerks für Weiterbildung e. V., Papenburg

Papenburg, 04.01.2009

Foto: Andrea SantelIch hatte immer Spaß am Lernen. Schon als Kind sah ich erste Erfolge, wenn auch noch nicht beim theoretischen schulischen Lernen. Ich spielte Volleyball - und spiele es bis heute im Ligabetrieb - und wenn es mir gelang, meine Technik beim Angriffschlag zu verbessern, konnte ich mehr Punkte erzielen. Verstehen, lernen, umsetzen: Der Erfolg meiner Anstrengungen war sofort da. Ein tolles Gefühl. Je mehr ich lernte, desto besser wurde ich.
Meine Eltern waren auch sehr an schulischer Bildung interessiert. Für mich war das Gymnasium annehmbar, aber das schulische Lernen war bei weitem nicht so spannend. Außerdem konnte ich keine unmittelbaren Umsetzungsmöglichkeiten für mich erkennen. Erst als ich während meines Diplom-Sozialpädagogik-Studiums an der Fachhochschule lernte, wie ich Wissen auch tatsächlich für einen Beruf umsetzen konnte, entwickelte ich enorme Lust am Lernen. Nach einigen Jahren als Sozialpädagogin war mir klar, dass mir mein Wissen noch nicht reichte und dass ich noch mehr wollte. Ich habe deshalb noch ein Aufbaustudium an der Uni absolviert: Diplom-Pädagogik mit dem Schwerpunkt Organisationsentwicklung und Qualitätsmanagement.
Bald nach dem Studium fand ich dann tatsächlich auch eine Arbeitsstelle als Projektleiterin und Geschäftsführung beim BELOS-Netzwerk für Weiterbildung e. V. Hier kann ich meine Fähigkeiten und Stärken entfalten. Beide Studiengänge haben sich voll gelohnt, auch wenn ich viel Mühe und Geld investiert habe. Aber mit dem Lernen ist es bei mir trotzdem noch lange nicht vorbei. Ich erlebe immer wieder, dass ich erst über Wissen auch Zusammenhänge verstehe. Und dieses Verstehen bringt mich dazu, immer weiter lernen zu wollen. Somit stehe ich aus Überzeugung hinter dem Konzept von Lebensbegleitendem Lernen.

Vor meinen Entscheidungen für die Studiengänge stellte ich mir immer wieder die Fragen: "Wohin will ich? Wozu lerne ich? Wofür strenge ich mich an?" Beim Volleyball wusste ich das: Ich will Punkte machen und den Satz und das Spiel gewinnen. Bei der Berufswahl konnte ich das nicht immer überblicken. Heute weiß ich, dass auch andere Berufsfelder interessant hätten sein können.
So und ähnlich geht es vielen Menschen in der heutigen Zeit. Die Orientierung in den verwirrenden Strukturen der Berufswelt mit den vielen Ausbildungs- und Studiengängen ist in den letzten Jahrzehnten immer schwerer geworden. Die Menschen erleben häufiger berufliche Umbruchsituationen - so wie ich auch immer wieder. Gleichzeitig ist es schwierig, sich selber einzuschätzen: "Was kann ich eigentlich gut? Wo kann ich meine Stärken gut einsetzen? Welche beruflichen Ziele möchte ich erreichen und um welchen Preis?"

Bildungsberatung kann helfen, diese Fragen zu klären und gleichzeitig einen Überblick über die Berufswelt zu erlangen. Trägerneutrale und biografieorientierte Bildungsberatung erarbeitet gemeinsam mit dem jeweiligen Menschen eine individuelle Strategie, um zu klären, was der nächste Schritt sein kann. Bildungsberatung kann in vielen beruflichen Umbruchsituationen hilfreich sein. Für den Schüler, der sich fragt, welchen Beruf er erlernen soll; für die junge Frau, die überlegt, wie sie ihre Karriere angehen soll; aber auch für den älteren Mann, der merkt, dass er gesundheitlich kaum noch in der Lage ist, so weiterzuarbeiten wie bisher. Derzeit gibt es noch wenig Strukturen und Anbieter von solch intensiver trägerneutraler und biografieorientierter Bildungsberatung. BELOS-Netzwerk für Weiterbildung e. V. hat im Westen Niedersachsens über mehrere Jahre grundlegende Strukturen für solch ein Angebot geschaffen und Bildungsberatung auch modellhaft ausprobiert. Möglich war das über die Förderung durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung im Rahmen der "Lernenden Regionen". Ohne eine solche Förderung ist der Erhalt der Strukturen natürlich erschwert, aber es konnten schon viele Menschen von der Arbeit von BELOS profitieren: Entweder direkt in der Bildungsberatung oder über die Qualifizierung von Beschäftigten aus Weiterbildungseinrichtungen. Denn gute Bildungsberatung stellt hohe Anforderungen an die Bildungsberater.
Ich selber habe wieder eine berufliche Umbruchsituation vor mir, ich trete eine andere, spannende Stelle bei einem Bildungsträger an. Bei der Entscheidung, wohin es beruflich für mich gehen soll, fand ich die Bildungsberatung durch Kollegen sehr hilfreich. Zwischendurch habe ich noch einen Volleyball-Trainerlehrgang besucht, denn dieses tolle Gefühl, Lernen gleich umzusetzen und Erfolge zu erzielen, möchte ich gerne weitergeben können. Mir hat Lernen viel Erfolg und Selbstbewusstsein ermöglicht und so überlege ich schon, was ich noch lernen könnte, um mich weiter zu bilden.

Das Buch unterwegs: Hier finden Sie interessante Informationen zur Buchtour quer durch Deutschland.

Aus dem Buch der Bildungsrepublik