Zahra
Teilnehmerin des Projekts "Elbstation Akademie" sowie Schülerstipendiatin der START-Stiftung
Hamburg, 02.12.2008
Meine Familie flüchtete 2001 aus dem Iran nach Deutschland. Damals war ich elf Jahre alt. Ich hatte fünf Jahre lang die Mädchenschule Rafaat und ein halbes Jahr lang die Oberstufe besucht und fühlte mich dort sehr wohl.
Als meine Familie in Deutschland Asyl beantragte, wurden wir ins Erzgebirge geschickt. Ich musste dort eine Vorbereitungsklasse besuchen, um mich in der neuen Umgebung und in der deutschen Sprache zurechtzufinden - das fiel mir anfangs sehr schwer. Zwei Jahre später zogen wir nach Hamburg, also wieder ein neues Umfeld und neue Menschen. Das war nicht leicht für mich; ich fühlte mich fremd und dachte, mir traut keiner etwas zu.
In der Schule hörte ich dann vom Angebot der "Elbstation Akademie", einer Initiative der MPC Capital Stiftung. Ich habe mich beworben und ein Schuljahr lang am Film- und Fotokurs sowie am Theaterkurs teilgenommen. Das hat mir persönlich sehr viel gebracht und auch meine beruflichen Perspektiven verbessert: Ich habe jetzt mehr Selbstvertrauen und durch das Theaterspiel lernte ich, mich besser und selbstbewusster zu präsentieren. Bei unserer Abschlussveranstaltung haben wir vor 330 Zuschauern ein Theaterstück aufgeführt. Das hat sehr viel Spaß gemacht!
Auch meine Deutschkenntnisse haben sich verbessert. Für meine Eltern übernehme ich nun oft die Rolle der Dolmetscherin bei Behörden. Mir ist außerdem klar geworden, wie wichtig Bildung ist, damit ich meine Ziele im Leben erreichen kann. Daher hatte ich mich entschlossen, die Schule in diesem Jahr nicht mit dem Hauptschul-, sondern mit dem Realschulabschluss zu verlassen. Und das habe ich auch geschafft. Nun werde ich ein Aufbaugymnasium besuchen, um auch das Abitur zu absolvieren. Denn mein Traum ist es, Jura zu studieren und eine engagierte Rechtsanwältin zu werden.
Da ich noch keinen unbefristeten Aufenthalt von der Ausländerbehörde bewilligt bekommen habe, kann ich leider nicht neben der Schule arbeiten, um etwas Geld zu verdienen. Aber mit Unterstützung der Elbstation habe ich mich erfolgreich um ein "START-Schülerstipendium" der gemeinnützigen Hertie-Stiftung für junge begabte Zuwanderer beworben. So erhalte ich nun bis zum Abitur eine finanzielle Unterstützung und eine Computerausstattung. Auf den Rat der "Elbstation Akademie" hin habe ich auch schon zwei Praktika bei Rechtsanwälten gemacht, um Einblicke in meinen Wunschberuf zu erlangen. Das war eine gute Erfahrung.
Ich habe mir vorgenommen, so viel wie möglich aus meinem künftigen Leben zu machen, noch vieles zu lernen und meinem Leben einen tieferen Sinn zu geben. Ich möchte erfolgreich sein, damit meine Eltern stolz auf mich sind, aber auch damit ich selber zufrieden mit mir sein kann. Und ich weiß nun: Ich kann es schaffen!
Das Buch unterwegs: Hier finden Sie interessante Informationen zur Buchtour quer durch Deutschland.