Das Buch der Bildungsrepublik in Bremen

Mehr als nur Stadtmusikanten! Am 8. und 9. Dezember 2008 machte das Buch der Bildungsrepublik Station in der Freien und Hansestadt Bremen. Ein Land, zwei Städte: Bremen und Bremerhaven sind trotz des Strukturwandels immer noch stark von der Schifffahrt und mit dem Hafenbetrieb verwandten Industrien geprägt. Bremen ist zudem ein wichtiger Standort für die Automobil-, Stahl-, Elektronik- und die Nahrungsmittelindustrie. Wir haben uns mit dem Buch der Bildungsrepublik aufgemacht, interessante Bildungsorte in beiden Städten zu besuchen!

Lernen mit starkem Praxisbezug

Los ging es in Bremerhaven! Die Werkstattschule legt hier den Schwerpunkt auf eine praktische Ausbildung. Schülerinnen und Schüler werden in Handwerksprojekte einbezogen und erhalten die Möglichkeit, ihren Hauptschulabschluss zu erwerben. Die realen Aufträge für die unterschiedlichsten Projekte kommen vom Land selbst. Im Anschluss können die Jugendlichen auch eine Ausbildung in den Industrie-Bauberufen absolvieren, zum Beispiel zum Bauten- und Objektbeschichter, Holzmechaniker, Ausbaufacharbeiter, Elektroniker und Hochbaufacharbeiter. Das Konzept überzeugt: 2007 wurde die Werkstattschule als beste Hauptschule des Landes Bremen ausgezeichnet.

Foto: Werkstattschule

Neben dem Projektleiter Gerd Liersch haben sich die Lehrerin der Malergruppe Birgit Elias und der Lehrer der Metallgruppe Wolfgang Annel in das Buch der Bildungsrepublik eingetragen. Klar, dass auch die Schülerinnen und Schüler neugierige Blicke in das große Buch warfen.

Chancen für junge Mütter

Sie sind jung, bereits Mütter und alleinerziehend. Das Bildungszentrum der Wirtschaft im Unterwesergebiet e. V. (BWU) gibt gerade ihnen die Möglichkeit, in Teilzeit eine kaufmännische Ausbildung zu absolvieren. Eine wichtige Hilfe, denn Frauen, die noch vor Abschluss einer ersten beruflichen Qualifizierung ein Kind zur Welt bringen, haben erfahrungsgemäß nur geringe Chancen auf dem Arbeitsmarkt.

Foto: Bildungszentrum der Wirtschaft im Unterwesergebiet e. V.

Die Teilnehmerinnen arbeiten vor Ort in einer eigens eingerichteten Übungsfirma, welche sechs Abteilungen (Einkauf, Verkauf, Buchhaltung, Personal, Sekretariat und Lager) unterhält. Dieses Unternehmen handelt als Einzel- und Großhandels-GmbH mit Spielwaren und hat damit einen engen Bezug zum Erziehungsalltag der Teilnehmerinnen. Wir haben mit dem Buch der Bildungsrepublik die Übungsfirma besucht. Neben dem Ausbildungsleiter Wolfgang Dirks haben sich mit Julia Münch und Ramouna Ranjbarrad zwei junge Mütter mit ihren persönlichen Geschichten in das Buch eingetragen.

Weiterbildung neben dem Beruf

Die Fachhochschule für Ökonomie und Management (FOM) hat sich ausschließlich auf berufs- und ausbildungsbegleitende Studiengänge spezialisiert, um so die Kombination von Beruf und Studium zu ermöglichen - ein Ort der Weiterbildung. Kein Wunder, dass wir mit dem Buch der Bildungsrepublik die FOM besucht haben.

Foto: Fachhochschule für Ökonomie und Management

Das Buch wurde vom Geschäftsführer der FOM, Dr. Marc Förster, in der Bibliothek in Empfang genommen. Kurz vor Beginn ihrer Abendklasse kamen noch schnell Yasemin Ulusoy, Kyra Luthe und Dennis Manzke herbei geeilt, um sich ebenfalls mit ihrer Bildungsgeschichte in das Buch einzutragen.

Kicken mit Köpfchen

Mit dem Schulzentrum Obervieland stand eine außergewöhnliche Schule auf dem Tourplan in Bremen: Seit 1996 bietet das Schulzentrum besondere Fördermöglichkeiten für talentierte Schülerinnen und Schüler im Fußball an. Mit Erfolg, denn 2008 wurde die Schule vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) zur "Eliteschule des Fußballs" ernannt - ein Ritterschlag. Die Fußballschule gilt dabei nicht nur als Nachwuchsschmiede für Werder Bremen, sondern besticht auch durch ein ganzheitliches Betreuungskonzept und bietet beispielsweise einen Mittagstisch und Hausaufgabenbetreuung an. Viele Gründe für uns, die Schule mit dem Buch der Bildungsrepublik zu besuchen.

Foto: Turnhalle des Schulzentrum Obervieland

In der großen Turnhalle hat uns Fußballlehrer Lutz Göbert mit seinen Schützlingen begrüßt. Er und sein Kollege Alexis Pflug haben uns gleich ihre Bildungsgeschichte aufgeschrieben. Da hier der Nachwuchs ausgebildet wird, darf natürlich mit Pascal Testroet eine Zukunftshoffnung der Grün-Weißen nicht fehlen. Der U19-Spieler von Werder Bremen hat sich gerne mit seiner Geschichte in das grün-weiße Buch der Bildungsrepublik eingetragen.

Welt der Wunder

Dass Wissenschaft und Forschung nicht nur trockene Materie ist, zeigt seit 2003 das Universum® Bremen. Hier werden Projekte in elementarer Naturwissenschaft und Technik erprobt.

Foto: Universum Bremen

Bildungspartner ist die bundesweite Bildungsinitiative "Haus der kleinen Forscher". Kindergartenkinder sowie Schülerinnen und Schüler sollen durch Experimente, Forschungen und entdeckendes Lernen für Naturwissenschaften begeistert werden. Die Leiterin für Bildung Mechthild Kummetz hat uns gemeinsam mit ihrer Kollegin Sandra Lindhorst begrüßt. Beide führten uns vorbei an Minivulkanen und einem Erdbebensimulationsraum durch die Welt der naturwissenschaftlichen Wunder. Bevor wir uns verabschiedet haben, trugen sich beide noch mit ihrer Bildungsgeschichte in das Buch der Bildungsrepublik ein.

Containerweise Ausbildung

Bremerhaven ist stark durch den Hafen geprägt. Direkt an der Wesermündung hat sich mit Eurogate eines der größten Container-, Terminal- und Logistik-Unternehmen und Europas größter Terminal-Betreiber angesiedelt. Doch vor Ort werden nicht nur Lasten verladen: 2005 wurde Eurogate als Sieger im Unternehmenswettbewerb "Beschäftigung gestalten - Unternehmen zeigen Verantwortung" durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales ausgezeichnet.

Foto: Eurogate

Damit nicht genug: 2008 wurde das Unternehmen von der Handelskammer Bremen für sein Ausbildungsprogramm ausgezeichnet, denn die Containerterminal- und Logistikgruppe bietet in der strukturschwachen Region jungen Arbeitslosen mit Vermittlungsschwierigkeiten eine berufliche Qualifizierung und langfristige Beschäftigungsperspektive. Wir haben uns aufgemacht, um in einer Werkshalle junge Auszubildende zu treffen. Mittendrin: die Ausbildungsleiterin Ines Karger. Sie hat sich mit den Meistern Kai Zobel und Peter Reichelt noch männliche Verstärkung dazu geholt. Alle drei haben uns nicht nur das Gelände gezeigt, sondern auch noch gern ihr Bildungsgeschichte aufgeschrieben.

Vielseitiger Bildungspartner

Die Arbeitnehmerkammer Bremen ist ein wichtiger Bildungsakteur in der Hansestadt. Sie unterhält unter anderem eigene Einrichtungen wie etwa die Wirtschafts- und Sozialakademie (WiSoAk) und beteiligt sich darüber hinaus noch an Kooperationen und Netzwerken, um über Themen wie Bildung, Arbeitsmarktpolitik oder Mitbestimmung im Land Bremen zu diskutieren und gemeinsame Vorhaben voranzubringen. Genannt seien hier das "Bremer Netzwerk Nachqualifizierung" und das Bildungsprojekt "LernNetzwerk Bremen". Birgit Spindler, Koordinatorin und Ansprechpartnerin bei der Arbeitnehmerkammer, hat uns bei unserem letzten Stopp in Bremen begrüßt und uns über das reichhaltige Bildungsangebot vor Ort informiert.