Nicht aufgeben!

Matthias Holk

berufsbegleitendes Studium zum "Bachelor in Engineering" mit Unterstützung des Aufstiegsstipendiums

Berlin, 16.12.2008

Foto: Matthias HolkTechnische Dinge interessierten mich schon in meiner frühesten Kindheit. Zwei Praktika während meiner Schulzeit, sowohl im technischen als auch im kaufmännischen Bereich, bestätigten mein technisches Interesse. So beschloss ich, nachdem ich meine Schule mit dem Realschulabschluss verlassen hatte, eine Berufsausbildung zum Nachrichtengerätemechaniker anzutreten. Nach erfolgreichem Abschluss der ersten Berufsausbildung absolvierte ich eine weiterführende zweite Ausbildung zum Funkelektroniker. Während meiner ersten Anstellung als Elektroniker in einem Prüffeld habe ich für mich entschieden, dass ich mich beruflich weiterentwickeln muss. Doch zunächst absolvierte ich meinen Grundwehrdienst in einer technischen Staffel der Marineflieger. Danach informierte ich mich über Fortbildungs- bzw. Weiterbildungsmöglichkeiten. Ich kündigte meine Festanstellung und ging wieder zur Schule - diesmal zur Technikerschule. Nach zwei Jahren habe ich diese als "staatlich geprüfter Techniker" verlassen. Unmittelbar nach der Schule hatte ich das große Glück einen guten Job als Prüffeldtechniker zu bekommen.
Doch das Glück hielt nicht lange, denn die damals im Rahmen der Wiedervereinigung vergebenen Subventionen an Unternehmen, die sich in Ostdeutschland ansiedeln, haben auch mein Unternehmen in ein neues Bundesland gelockt. Bis auf ganz wenige Ausnahmen wurde die gesamte Belegschaft meiner Firma freigestellt. Einem Kollegen und mir wurde von der Unternehmensberatung, die meinen damaligen Arbeitgeber abwickelte, angeboten, einen Teilbereich aus der Firma herauszulösen und in einer Selbständigkeit weiterzuführen.
Da die einzige Alternative die Arbeitslosigkeit war, fiel uns die Entscheidung nicht so schwer. Meine Abfindung habe ich als Stammkapital zur Gründung einer GmbH genutzt, in der ich Geschäftsführender Gesellschafter war. Jetzt gehörten Tätigkeiten wie Kalkulation, Personalführung, Controlling, Qualitätssicherung, Buchhaltung usw. zu meinem Tagesgeschäft. In den ersten Jahren der Selbständigkeit waren wir sehr erfolgreich, die Belegschaft wuchs und wir expandierten. Trotz der vielen Arbeit hat mir die Selbständigkeit viel Spaß gemacht. Ich habe sehr viel gelernt und der hohe Arbeitseinsatz für mein Unternehmen wurde in der Regel auch belohnt. Doch nach einigen erfolgreichen Jahren musste ich feststellen, dass meine Kunden ihre Aufträge immer häufiger an Unternehmen in Billiglohnländer vergaben. Der durch die Globalisierung entstandene Preisdruck auf meine Firma spitzte sich immer weiter zu. Nach acht Jahren bin ich dann aus der Selbständigkeit ausgestiegen. Das Risiko wurde mir zu groß und ich habe für mein Unternehmen trotz gewaltiger Bemühungen keine Zukunft gesehen. Der Umstand, dass meine Frau hochschwanger in Berlin studierte, hat mich umso mehr zu dem Ausstieg bewegt.
Ich hatte jetzt Verpflichtungen gegenüber meiner kleinen Familie. Ich zog zu meiner Frau nach Berlin. Jetzt saß ich als junger arbeitsloser Familienvater ohne Arbeitslosenunterstützung in einer fremden Stadt und stellte wieder einmal fest, dass Deutschland ein Land der Zeugnisse ist. Immer häufiger habe ich über eine weitere Fortbildung nachgedacht, um mich für den Arbeitsmarkt attraktiver zu machen. Nach einem Jahr fand ich dann eine Anstellung als Laborleiter eines Kalibrierlabors. Der Kalibrierdienstleister musste aber sehr schnell feststellen, dass es nicht leicht ist, sich auf dem Markt zu behaupten und hat seine Niederlassung Berlin nach einem Jahr wieder geschlossen. Nach kurzer Arbeitslosigkeit habe ich im Rahmen eines Projektes eine befristete Anstellung beim Deutschen Wetterdienst bekommen. Inzwischen ist der befristete Vertrag in eine Festanstellung umgewandelt worden, so dass ich jetzt eine gewisse Planungssicherheit habe. Im Juni 2008 wurde mir nach einer Überprüfung bestätigt, dass ich die Zulassungsvoraussetzungen für ein berufsbegleitendes Studium zum "Bachelor in Engineering" erfülle.
Im Hochsommer habe ich in der Presse von dem Aufstiegsstipendium des Bundesministeriums für Bildung und Forschung gehört. Ein Stipendium würde meine Absicht, ein berufsbegleitendes Studium zu absolvieren, noch untermauern, zudem würde es die doch erhebliche finanzielle Belastung etwas reduzieren. Ich informierte mich über dieses Stipendium und stellte fest, dass ich genau zu der Zielgruppe gehörte. Nach einer erfolgreichen Bewerbung um ein Stipendium habe ich die einzelnen Phasen des Auswahlverfahrens gemeistert und besitze jetzt eine Anwartschaft auf ein Aufstiegsstipendium. Wenn alles planmäßig läuft, beginne ich zum Wintersemester 2009 mein berufsbegleitendes Studium und hoffe, dass ich das auch erfolgreich absolvieren werde.
Ich habe in meinem noch relativen kurzen aber aufregenden Berufsleben einige Stationen mit großen Erfolgen aber auch herben Rückschlägen absolviert. Ich kann nur jedem raten, in den verschieden Situationen nicht abzuheben bzw. nicht aufzugeben. Man sollte sich auch in schwierigen Zeiten immer Ziele setzen.
Bildung gehört zum Leben wie Wasser und Brot. Bildung erweitert den eigenen Horizont und öffnet einem neue Türen. Für Bildung ist es nie zu spät und Bildung ist ein Gut, dass einem nicht genommen werden kann.

Das Buch unterwegs: Hier finden Sie interessante Informationen zur Buchtour quer durch Deutschland.

Aus dem Buch der Bildungsrepublik