Helma Orosz
Oberbürgermeisterin der Landeshauptstadt Dresden
Dresden, 21.10.2008
Bildung hat viel mit Treppensteigen gemeinsam. Schon im Kindergarten geht es los. Man steht im Erdgeschoss, schaut das Treppenhaus nach oben und sieht die vielen Stufen, die vor einem liegen. Am Anfang ist es noch ein kurzer Weg bis in den ersten Stock. Aber je mehr Stufen man nimmt, desto größer wird die Herausforderung. Je weiter der Weg nach oben, desto anstrengender wird es.
Ähnlich verhält es sich mit der Bildung. Am Anfang fällt es noch leicht. Die Schulzeit vergeht im Flug. Aber schon bei der Ausbildung oder im Studium werden die Herausforderungen immer größer. Es geht darum, einen Beruf zu lernen, einen Beruf, von dem die eigene und später vielleicht auch die Existenz einer Familie abhängen. Einen Fahrstuhl, der uns mal schnell ein paar Stockwerke nach oben bringt, gibt es im Leben nicht.
Natürlich ist Bildung nicht nur anstrengend. Bildung hilft einem, seine Ziele zu erreichen, zufrieden mit sich zu sein und Herausforderungen zu meistern. Ich habe Bildung immer als Ansporn gesehen, mich neuen Aufgaben stellen zu können und neue Aufgaben anzunehmen.
In meinem Leben habe ich immer wieder festgestellt, wie wichtig es ist, sich weiterzubilden und die eigenen Fähigkeiten auszubauen. Nachdem ich lange Jahre als Erzieherin und Leiterin einer Kindertageseinrichtung tätig war, habe ich den Schritt gewagt und nach der Wende noch einmal mit einem berufsbegleitenden Studium begonnen.
Egal ob als Erzieherin oder Sozialdezernentin, ob als Sozialministerin des Freistaates Sachsen oder jetzt als Oberbürgermeisterin von Dresden: Ich habe immer weiter neue Stufen erklommen und mich dabei konsequent fortgebildet. Bildung ist eben keine Frage der Position, sondern eine Frage des eigenen Anspruchs. Das gilt für einen Azubi ebenso wie für den Chef eines großen Unternehmens.
Wer heute glaubt, mit der Ausbildung sei die Zeit des Lernens vorbei, der vergibt seine Chancen. Angesichts des demografischen Wandels wird der Bedarf an Menschen, die über die Mitte ihres Lebensalters hinaus leistungsfähig bleiben, enorm wachsen.
Als Chefin einer großen Verwaltung trage ich die Verantwortung dafür, meinen Mitarbeitern diesen Anspruch zu vermitteln und sie dabei zu unterstützen, ihn umzusetzen. Aus meiner eigenen Bildungsbiografie kenne ich die Widerstände, denen man sich aussetzt, wenn man sich über die eigentliche Ausbildung hinaus weiterentwickeln möchte. Daher ist es mir so wichtig, meinen Mitarbeitern diese Widerstände im Rahmen meiner Möglichkeiten aus dem Weg zu räumen.
Bildung ist wie Treppensteigen. Es mag anstrengend sein, aber es hält fit. So wie jeder Arzt empfiehlt, Treppen zu steigen statt Fahrstuhl zu fahren, kann ich nur jedem empfehlen, sich immer wieder weiterzuentwickeln statt stehen zu bleiben. Es lohnt sich! Und es macht Spaß!
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