Am 1. und 2. Dezember 2008 machte das Buch der Bildungsrepublik Station in der schönen Hansestadt Hamburg. Mit seinen zahlreichen Verlagen, Presseagenturen, Fernseh- und Rundfunkanstalten sowie Werbe- und Designagenturen zählt die Stadt neben München zu den herausragenden Medienmetropolen in Deutschland. Mit seinem Hafen ist Hamburg auch ein wichtiges Außenhandels- und Logistikzentrum und die Drehscheibe für den Ostseeraum und Mitteleuropa.
Die Gesamtschule Horn bietet ein breites Spektrum an Bildungsmöglichkeiten. Von der Vorschule bis zum Abitur fördert die Schule die Kinder nach ihren Möglichkeiten und fordert sie gleichzeitig heraus, sich ständig weiterzuentwickeln.

Wir besuchten zunächst Elke Andresen, die sich ehrenamtlich um die Schulbibliothek kümmert. In der großen Pause stürmte eine Schar Kinder der fünften und sechsten Klasse in die Bibliothek, um Bücher auszuleihen und das große Buch der Bildungsrepublik zu bestaunen. Umringt von ihren Schützlingen unterschrieb Elke Andresen ihre Bildungsgeschichte, während die Kinder auf kleinen Zetteln ihre Lieblingsbücher notierten, um anderen "Lust auf0s Lesen"" zu machen.

Anschließend gingen wir ein paar Türen weiter und besuchten den Musikunterricht. In der Gesamtschule Horn wird aber nicht nur Musik gemacht. In speziellen Projektgruppen werden die Instrumente zum Teil sogar selbst gebaut. Die Schülerinnen und Schüler haben ihre Lieblingsinstrumente für das Buch der Bildungsrepublik aufgeschrieben. Ihr Musiklehrer Arend Schmidt-Landmeier hat nicht nur seine Bildungsgeschichte aufgeschrieben, sondern gab uns auch eine kleine Performance auf dem Schlagzeug. Angelockt von so viel Trubel, schaute auch noch die Lehrerin Maria Deger vorbei. Sie informierte sich über das Buch der Bildungsrepublik und trug ihre eigene Bildungsgeschichte ein.
Im Juni 2008 wurden drei Hamburger Unternehmen, die sich besonders für die berufliche Integration von Jugendlichen mit Migrationshintergrund engagieren, mit dem Förderpreis "Vielfalt in Ausbildung 2008" ausgezeichnet. Zu den ausgezeichneten Unternehmen gehört auch das Thalia Theater, das sich als eines der drei traditionsreichen Hamburger Staatstheater für die berufliche Qualifizierung und Integration von Jugendlichen einsetzt.

Ursula Steinbach, Leiterin Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, zeigte uns die Räumlichkeiten des Thalia Theaters und stellte uns den Intendanten Ulrich Khuon und den Praktikanten Holger Hohnwald vor. Beide trugen sich mit ihrer persönlichen Bildungsgeschichte in das Buch der Bildungsrepublik ein. Holger Hohnwald absolviert bis August 2009 ein zehnmonatiges Praktikum im Bereich Veranstaltungstechnik und hofft, direkt anschließend einen Ausbildungsplatz zu finden. Wir drücken ihm die Daumen.
Die Förderung der Sprachentwicklung von Kindern ist nicht nur äußerst wichtig, sondern kann Eltern, Erzieherinnen und Erziehern und den Kindern auch großen Spaß bereiten. Dies zeigt die interaktive Ausstellung "Sprich mit mir!" des Deutschen Bundesverbandes für Logopädie e. V., die seit Anfang 2008 mit großem Erfolg durch die Republik tourt und vom 29. November bis zum 7. Dezember 2008 auf der Messe "Du und deine Welt" in Hamburg zu sehen war.

Karen Grosstück kennt sich als Logopädin mit dem Sprechen bestens aus und dass sie mit ihrer Arbeit Erfolg hat, zeigt die Bildungsgeschichte ihres Neffen. Dieser sprach mit drei Jahren nur wenige Worte und die Ärzte hatten prognostiziert, dass er nie ein selbstständiges Leben führen können würde. Doch Karen Grosstück begann eine mehrjährige Therapie mit ihrem Neffen. Heute ist dieser 27 Jahre alt, spricht "ganz normal" und arbeitet als Klempner.
Hamburg-Veddel ist einer der ärmsten und kinderreichsten Stadtteile, in dem zudem sehr viele Menschen mit Migrationshintergrund leben. Die Förderung und Entwicklung einer Lese-Kultur bei den dort ansässigen Kindern hat sich die Stadtteilbücherei Veddel aktiv e. V. zur Aufgabe gemacht.
Viele muttersprachliche und zweisprachige Bilderbücher sowie Beratungsangebote auf türkisch, albanisch, russisch, englisch und französisch haben das Interesse vieler Eltern (auch zahlreicher Väter) für die Angebote der Stadtteilbücherei geweckt. Zu den Stammkunden gehören aktuell deutsche, türkische, albanische, iranische, afghanische, schwarzafrikanische, algerische und Sinti-Familien. Viele Mütter besuchen zudem Deutschkurse und leihen sich Wörterbücher oder zweisprachige Bilderbücher aus.

Wir besuchten die "Gedichte für Wichte-Gruppe". Hier sangen und reimten junge Mütter zusammen mit den Kursleiterinnen auf Deutsch für ihre ein- bis zweijährigen Kinder, die begeistert mitbrabbelten und -klatschten. In das Buch der Bildungsrepublik trugen sich Dr. Francine Lammar, Leiterin Veddel aktiv e. V., und Susanne Martensen, die die Leseprojekte der Gruner + Jahr AG & Co KG betreut,
ein. Der Verlag fördert u. a. die Initiative "Buchstart", zu der auch die Veranstaltung "Gedichte für Wichte" gehört.
Die ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius fördert Wissenschaft, Kunst und Bildung. Die gemeinnützige Stiftung unterstützt u. a. innovative Schulkonzepte, veranstaltet alljährlich eine Summer School für junge Führungskräfte aus der ganzen Welt und betont mit einem nationalen Bibliothekspreis den Wert des Buches als Träger von Bildung, Kultur und Wissen, von Tradition und Zukunftsvergewisserung.
Zu den Projekten der ZEIT-Stiftung gehört auch der Schülercampus "Migranten werden Lehrer", den die Stiftung in Kooperation mit der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung anbietet. Der einmal jährlich stattfindende dreitägige Schülercampus informiert Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund in der gymnasialen Oberstufe über den Ablauf eines Lehramtsstudiums und die Anforderungen für den Lehrerberuf.

Mit Erfolg: Die ehemaligen Teilnehmer des Schülercampus Sibel Islami und Hajrullah Sertolli haben sich für ein Lehramtsstudium nach ihrem Abitur entschieden. Beide trugen sich gemeinsam mit Volkan Polat, einem weiteren ehemaligen Teilnehmer, und der Projektleiterin, Dr. Tatiana Matthiessen, in das Buch ein.
Die MPC Capital Stiftung wurde im Jahr 2005 von der MPC Capital AG ins Leben gerufen und verfolgt das Ziel, Menschen den Zugang zu guter Bildung und Ausbildung zu ermöglichen, ihre Potenziale zu fördern sowie ihr Engagement und ihre Leistungsbereitschaft zu wecken.
Die Elbstation Akademie der MPC Capital Stiftung ist ein außerschulischer Lernort zur interkulturellen Begegnung von Schülerinnen und Schülern aus Hamburg-Altona, der Neustadt und St. Pauli. Unter fachlicher Anleitung arbeiten die Jugendlichen eigenständig und ergebnisorientiert an ausgewählten Medienprojekten. Die Elbstation bietet ihnen die Möglichkeit, verschiedene Medien kennenzulernen, die für eine nachhaltige Sprach-, Schreib- und Leseförderung geeignet sind. Sie arbeiten dort eigenverantwortlich in Projektgruppen und verfassen z. B. eigene Radio- und Filmbeiträge, Theaterszenen oder Texte.

In der Elbstation sahen wir uns den Filmbeitrag "Zoran erzählt" an, der von einer Projektgruppe eigens für das Buch der Bildungsrepublik gedreht und produziert wurde. In dem Film erzählt Zoran Glavaš, der 1991 als Kriegsflüchtling aus dem ehemaligen Jugoslawien in die Bundesrepublik kam und heute als Sozialpädagoge und Projektleiter an der Elbstation arbeitet, seine persönliche Bildungsgeschichte. Außerdem trugen sich die Projekteilnehmer Zahra und Bünyamin mit ihrer Geschichte in das Buch der Bildungsrepublik ein.