Bünyamin
16 Jahre, geboren in Hamburg
Hamburg, 02.12.2008
Meine Eltern kamen bereits in jungen Jahren aus der Türkei nach Deutschland, da meine Großeltern hier als Gastarbeiter in der Industrie arbeiteten. Meine Eltern beherrschten die deutsche Sprache nicht und weil es damals keinerlei Schulprogramm für Ausländer gab, konnten sie auch keinen höheren Schulabschluss absolvieren. Mein Vater hat daher eine Lehre zum Industriemechaniker abgeschlossen. Er arbeitete dann auch als Industriemechaniker weiter.
1992 kam ich auf die Welt und wuchs in einer nicht gerade wohlhabenden Gegend Hamburgs - der Reeperbahn - auf. Als ich dann in die Schule kam, fiel es mir schwer, mich zu konzentrieren und dem Unterricht zu folgen, weil meine Deutschkenntnisse nicht sehr gut waren. Zu Hause sprachen wir ja meistens Türkisch. Außerdem wollte ich viel lieber rausgehen oder fernsehen als für die Schule zu lernen. Meine Noten waren dann auch nicht so toll.
Erst nach einigen Jahren erkannte ich die Vorteile eines höheren Schulabschlusses. Daraufhin bemühte ich mich, von der Beobachtungsstufe auf die Realschule und nicht auf die Hauptschule zu wechseln. Ich arbeitete hart daran, ein gutes Zeugnis zu erhalten und schaffte es auch. In den darauf folgenden beiden Jahren nahm ich dann an einem Angebot teil, das mir über die Schule vermittelt wurde: die "Elbstation Akademie", eine Initiative der "MPC Capital Stiftung" in Hamburg. Das war eine wirklich gute Sache und hat viel Spaß gemacht: Zusammen mit 24 Jugendlichen aus verschiedenen Kulturen lernte ich in Medien-Workshops, wie man Filme dreht, schneidet und vertont, wie man gute Fotos macht, wie ein Radiobeitrag entsteht und wie es ist, ein Theaterstück auf einer Bühne vor Publikum aufzuführen. Ich bin stolz darauf, dass wir gemeinsam viele Aufgaben erfolgreich gemeistert haben. Dazu gehörte Disziplin und es war auch nicht immer leicht, sich zusammenzuraufen. Ich habe durch die "Elbstation Akademie" an Selbstvertrauen gewonnen. Ich weiß jetzt auch, dass Sprache etwas wirklich Wertvolles ist und dass ich auf meinen mehrsprachigen Hintergrund stolz sein kann. Ich möchte auf jeden Fall die Bildungschancen in Deutschland aktiv nutzen.
Nur als es ernst wurde und ich zum ersten Mal Abschlussarbeiten schreiben musste, hatte ich Angst zu versagen. Aber ich hatte ja viele gute Vorbilder und Unterstützer - die "Elbstation Akademie", meinen Bruder, der bereits studiert, und meine Eltern, die mich motiviert haben - meinen Bildungsweg weiterzugehen. Ich erhielt ein gutes Realschulzeugnis und bewarb mich am Gymnasium, um mein Abitur zu machen. Nun bin ich bereits in der 11. Klasse und gehe meinen Weg zu Ende.
Die Elbstation besuche ich noch immer, um zu lernen. Für die Zukunft wünsche ich mir, mit einem guten Abitur abzuschließen und dann Maschinenbau zu studieren. Ich gehe diesen Weg der Bildung, damit meine Eltern stolz auf mich sind, weil ich die Bildungschance in Deutschland nicht ungenutzt lassen will und auch, damit ich später ein gutes Leben habe.
Das Buch unterwegs: Hier finden Sie interessante Informationen zur Buchtour quer durch Deutschland.