Neue Möglichkeiten der Weiterbildung entdeckt

Heike Kaul-Herges

Diplom-Biologin und Teilnehmerin des Kurses "Mit Kompetenz agieren" des Berufsfortbildungswerks GmbH in Neunkirchen

Neunkirchen, 06.11.2008

Foto: Heike Kaul-Herges mit dem Buch der BildungsrepublikSchon als Kind träumte ich - wie so viele Kinder - davon, später beruflich etwas mit Tieren zu machen. Am liebsten wollte ich natürlich Tierärztin werden. Dieses Ziel hatte ich immer vor Augen, durch die gesamte Schulzeit hindurch. Noch in der Oberstufe machte ich ein Praktikum bei einem Tierarzt.

Nach dem Abitur lief alles völlig glatt. Ich bekam sofort einen Studienplatz für Tiermedizin in meiner Wunschstadt München und fand ein schönes Zimmer in einer WG. Doch schon im ersten Semester kamen Zweifel auf, ob dieses Studium wirklich das Richtige ist - vielleicht auch vor dem Hintergrund, zum ersten Mal alleine in einer fremden Stadt vor den Anforderungen eines Studiums zu stehen. Was folgte, war der Abbruch des Studiums.

Ich wollte aber auf jeden Fall weiter studieren und die Richtung "Tiere und Natur" beibehalten. Noch im gleichen Jahr begann ich mit dem Studium der Biologie, das ich erfolgreich durchgezogen habe. Schon während des Grundstudiums zeigte sich, dass mein größtes Interesse gar nicht auf dem Gebiet der Zoologie liegt, sondern Genetik und Gentechnik mich viel mehr faszinierten. Um bessere Ausbildungsmöglichkeiten auf diesem Gebiet zu bekommen, wechselte ich nach dem Vordiplom vom Saarland nach Tübingen und beendete dort mein Studium erfolgreich.

Anschließend habe ich eine Doktorandenstelle angetreten. Nach zwei Jahren der Berufserfahrung kam auch hier das Gefühl auf, nicht den für mich optimalen Weg nach dem Studium eingeschlagen zu haben. Ich wollte mich neu orientieren.

Der Zufall wollte es, dass ich kurze Zeit später Nierensteine hatte und der behandelnde Arzt ein biotechnologisches Auftragslabor betrieb. Nachdem er von meiner Situation erfahren hatte, stellte er mich "vom Fleck weg" ein. Endlich hatte ich das Gefühl, beruflich auf dem richtigen Weg zu sein - ich arbeitete an einem interessanten Themengebiet, war gefordert, hatte Verantwortung und Möglichkeiten, mich weiterzuentwickeln - in einem Umfeld, in dem ich mich wohl fühlte.

Mit 31 - nach eineinhalb Jahren Beschäftigung in diesem Labor - kam nun für mich der Punkt, an Kinder zu denken. Ich hatte mir alles genau überlegt, wollte nach acht Wochen sofort wieder Teilzeit arbeiten, die Großmütter waren schon für die Kinderbetreuung mobilisiert. Doch die Praxis war anders als die Theorie - Unstrukturiertheit, Schlaflosigkeit, ein oft krankes Kind. Es war sehr schnell klar, dass für mich Beruf und Kinder zu diesem Zeitpunkt nicht vereinbar waren. Ich entschied ganz bewusst, Erziehungsurlaub zu nehmen und nach zweieinhalb Jahren wurde ich zum zweiten Mal stolze Mutter.

Mittlerweile bin ich fünfeinhalb Jahre zu Hause, beide Kinder sind im Kindergarten und ich merke, dass ich "freie Kapazitäten" habe. Beim Wiedereinstieg in meinen Beruf ist mir das Seminar "Mit Kompetenz agieren" eine große Hilfe.

Natürlich fühlte ich mich unsicher, ich fragte mich, ob ich nach so langer Zeit überhaupt noch eine Chance habe, gerade in einem Beruf, in dem man ständig auf dem Laufenden bleiben muss. Durch dieses Seminar wurde ich dazu angehalten, mir meine Fähigkeiten wieder bewusst zu machen, vor allem auch die Fähigkeiten, die ich als Mutter erworben habe und die man oft als so selbstverständlich ansieht. So habe ich in Bezug auf Organisationsfähigkeit, Belastbarkeit, Leistungsfähigkeit, Flexibilität und Motivationsfähigkeit mit Sicherheit einiges dazugelernt, allesamt Kompetenzen, die auch für potentielle Arbeitgeber von Bedeutung sind und die ich in meinem Beruf sehr gut einbringen kann. Ich habe für mich ganz neue Möglichkeiten der Weiterbildung entdeckt, auch alternative Branchen, in denen ich beruflich tätig sein kann. So bewerbe ich mich momentan bei Pharmafirmen, nicht nur in der Forschung, sondern auch im Dienstleistungssektor, auf dem Gebiet der Produktberatung oder in der Qualitätssicherung. Ich konnte einige interessante Weiterbildungsmöglichkeiten bezüglich Qualitätssicherung und Produktmanagement ausmachen, die auch als Mutter realisierbar sind. Auch die Arbeit in einem Verlag oder in der Umweltanalytik könnte ich mir gut vorstellen.

Durch die Erkenntnis, dass mich "Mutter sein" hinsichtlich vielerlei Kompetenzen vorangebracht hat und mir durch meine Bildung einige Möglichkeiten offen stehen, traue ich mir einiges zu, ich bin begierig darauf, mich weiterzubilden und blicke meiner beruflichen Zukunft optimistisch entgegen.

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