LOLA rennt ...! Begeisterung für Naturwissenschaften wecken

Dr. Bärbel Kunze

Laborleiterin LOLA - Lübecker offenes Labor an der Universität zu Lübeck

Lübeck, 30.10.2008

Als ich im Herbst 1979 an der Justus Liebig Universität in Gießen mit dem Biologie-Studium begann, tat ich dies, um später im Bereich der Ökologie tätig zu werden. Im Verlauf des Studiums begeisterten mich aber, nicht zuletzt vermittelt durch gute akademische Lehrer, physiologische Fragestellungen. Aus diesem Grund fertigte ich die Diplom- und Doktorarbeit im Institut für Tierphysiologie an. Dabei beschäftigte ich mich mit zellphysiologischen Fragen an dem Einzeller Tetrahymena - einem nahen Verwandten des Pantoffeltierchens.

Im Jahr 1990 ging es dann von der Lahn an die Trave, in das Institut für Biologie an der Universität zu Lübeck. Dort "mutierte" ich zur Molekulargenetikerin. Zunächst untersuchte ich die molekularen Ursachen für die Geschlechtsbestimmung bei Insekten, dann eine besondere Region auf dem Chromosom 1 der Hausmaus. Während dieser Zeit engagierte ich mich zunehmend in der Aus- und Weiterbildung, nicht nur im Studentenunterricht, sondern auch im Rahmen von Lehrer-Fortbildungen und Schülerkongressen. Im Jahr 2001 schloss ich die wissenschaftliche Arbeit mit der Habilitation ab und stand an einem Scheideweg; es galt die Weichen für die berufliche Zukunft neu zu stellen. An diesem Punkt war es ein Wink des Schicksals, dass mich der neue Institutsleiter fragte, ob ich Lust hätte, mit ihm zusammen ein Schülerlabor aufzubauen. Die Finanzierung sei zwar noch nicht geklärt, aber er hätte da Ideen. Ich erinnere mich noch gut daran, dass mich damals eine Freundin bei einem Strandspaziergang fragte: "Glaubst Du wirklich, dass Laborkurse für Schüler eine Zukunft haben, dass man dafür eine Stelle bekommt?" Ich war mir da nicht ganz sicher, aber mir war klar, dass dies meine berufliche Chance war, das zu tun, was mir am meisten Freude macht, nämlich aktuelles Wissen aus dem Bereich der Lebenswissenschaften zu vermitteln. Durch die finanzielle Beteiligung der Universität und verschiedener Drittmittelgeber gelang es uns allerdings sehr bald, das erste Labor einzurichten.

Im März 2002 fand der erste Experimentalkurs für einen Leistungskurs Biologie statt. Wir führten eine genetische Diagnostik durch (allerdings an der DNA von Mäusen). Seit dem rennt LOLA - das Lübecker offene Labor - und entwickelt sich immer weiter. Mit meinen engagierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zusammen haben wir inzwischen 20 verschiedene Experimentalkurse für SchülerInnen der Jahrgänge 8 - 13 aufgebaut. Die Kursthemen reichen von Zell- und Mikrobiologie, über Molekular- und Phylogenetik bis zur Biotechnologie und Biochemie. Bei diesen ein- bzw. zweitägigen Kursen können die SchülerInnen - nach entsprechender Einweisung - selbstständig experimentieren. Dabei führen sie moderne Techniken wie z. B. PCR, Restriktionsspaltung, Transformation, Chromatographie oder Protein-Elektrophorese durch, die zwar in den Lehrplänen stehen, aber - mangels technischer Ausstattung - an kaum einer Schule durchgeführt werden können. Zu jedem Kurstag gibt es Seminare, in denen die durchgeführten Techniken besprochen sowie deren gesellschaftliche und praktische Bedeutung erläutert werden.

Mit dem Kurs-Angebot des LOLA möchten wir den naturwissenschaftlichen Unterricht bereichern und die SchülerInnen für Wissenschaft und Forschung begeistern. Inzwischen haben über 7.500 SchülerInnen das LOLA besucht, einige sogar in den Ferien im Rahmen von Summerschools und Arbeitsgemeinschaften. Meinen Kolleginnen, Kollegen und mir macht diese Arbeit sehr viel Spaß, denn an der Schnittstelle von Hochschule und Schule ist es uns möglich, aktuelles Wissen aufzuarbeiten und in die Öffentlichkeit zu transferieren. Das LOLA-Angebot richtet sich aber nicht ausschließlich an SchülerInnen, sondern an alle interessierten Besuchergruppen.

Mein Aufgabenbereich hat sich inzwischen erweitert: Neben der Leitung des LOLA koordiniere ich auch die Schülerakademie der Universität zu Lübeck (SaLü). In der Salü sind alle universitären Aktivitäten für Schülerinnen und Schüler zusammengeschlossen. Neben dem LOLA sind diese Tätigkeiten im Wesentlichen aus den Bereichen Informatik, Mathematik und moderne Medien. Die oben erwähnte Frage meiner Freundin kann ich inzwischen eindeutig beantworten: "Ja! Laborkurse für Schüler haben eine Zukunft und es macht sehr viel Freude, an der Schnittstelle von Universität und Öffentlichkeit Wissen zu vermitteln."

Das Buch unterwegs: Hier finden Sie interessante Informationen zur Buchtour quer durch Deutschland.

Aus dem Buch der Bildungsrepublik