Froh über die zweite Ausbildung!

Stefanie Brosel

Universitätsklinikum Ulm - Akademie für Gesundheitsberufe, Schule für Medizinische Dokumentation

Ulm, 27.10.2008

Foto: Stefanie BroselSchon während meiner Schulzeit in der Realschule wusste ich, dass ich in einem medizinischen Beruf tätig werden will. Wie auch meine ältere Schwester habe ich mich daher entschieden, Krankenpflege zu lernen.

Da man erst mit 17 Jahren die Ausbildung zur Krankenschwester beginnen kann, musste ich zunächst ein Jahr überbrücken. Um gleichzeitig einen höheren Bildungsabschluss zu erreichen, entschied ich mich, die Fachoberschule für Sozialwesen zu besuchen. Neben den sozial ausgerichteten Fächern wie Psychologie und Pädagogik hatte ich großes Interesse an Mathematik und Wahrscheinlichkeitsrechnung.

Die Ausbildung zur Krankenschwester und insbesondere der Umgang mit anderen Menschen hat mir viel Freude gemacht. Das zeigte sich auch in meinen sehr guten Noten während der Ausbildung und im Examen.

Als frisch examinierte Krankenschwester habe ich den Landkreis Ansbach verlassen, um meine erste Anstellung in Würz¬burg auf einer allgemeinchirurgischen Station anzutreten. Mir war klar, dass ich noch mehr erreichen wollte und deshalb suchte ich nach einer für mich geeigneten Weiterbildungsmöglichkeit. Durch meinen guten Abschluss in der Krankenpflegeschule war es mir möglich, Förderung für eine solche Maßnahme bei der "Stiftung Begabtenförderung Berufliche Bildung" (SBB) zu beantragen.

Als Weiterbildung kam für mich insbesondere die Pflegepädagogik in die engere Auswahl, da ich auf der Station gerne Krankenpflegeschüler angeleitet habe. Bei der Recherche im Internet nach Weiterbildungsmaßnahmen bin ich auf den Ausbildungsberuf Medizinische Dokumentation gestoßen. Schon nachdem ich die Beschreibung dieses Berufs gelesen hatte, wusste ich, dass dies genau das war, wonach ich gesucht hatte: ein Beruf, in dem Medizin mit Mathematik, Statistik und Informatik verbunden wird.

Meinen Entschluss hatte ich gefasst, ich wollte Medizinische Dokumentation lernen. Jetzt musste ich nur noch die Finanzierung klären. Leider konnte mich die SBB nicht unterstützen, da diese Maßnahme als zweite Ausbildung und nicht als Weiterbildung innerhalb des Krankenpflegeberufs gewertet wurde.
Nach Beratung mit meinen Eltern und etwas Bedenkzeit gaben sie mir grünes Licht. Obwohl sie zur gleichen Zeit meine beiden jüngeren Geschwister bei ihrer Ausbildung unterstützten, halfen sie mir und finanzierten mir die gesamte zweite Ausbildung. Dafür bin ich meinen Eltern sehr dankbar.

Die Ausbildung zur Medizinischen Dokumentarin brachte einen Umzug nach Ulm mit sich. Während der vorgeschriebenen fünf Praktika innerhalb der Ausbildung konnte ich Einblicke in die verschiedenen Bereiche der Medizinischen Dokumentation erhalten, wie z. B: der klinischen Forschung, der Tumordokumentation, aber auch der Entwicklung von Lernsoftware für Medizinstudenten. Außerdem konnte ich ein dreimonatiges Praktikum in England am "Royal London Homoeopathic Hospital" absolvieren. All diese Erfahrungen haben mich in meiner Entscheidung bestätigt und mich noch mehr motiviert, einen guten Abschluss zu schaffen.
Am Ende der Ausbildung wurde mir eine Stelle an der Schule für Medizinische Dokumentation der Akademie für Gesundheitsberufe in Ulm angeboten. Ein Glücks¬all für mich. So konnte ich doch noch dem Wunsch nachgehen zu lehren, und somit weiterhin mit Menschen zu arbeiten und Wissen  zu vermitteln. Ich unterrichte Textverarbeitung und Datenbanktechnik und betreue die Praktika und Kurse im zweiten und dritten Ausbildungsabschnitt.

Es bereitet mir viel Vergnügen, Wissen zu vermitteln und gleichzeitig immer wieder Neues zu lernen und zu erfahren. Ich bin froh, das Wagnis einer zweiten Ausbildung eingegangen zu sein und so meine Vorlieben für Medizin und Mathematik zu vereinen. Ich bin gespannt auf alles was jetzt noch folgt.
Und meine ältere Schwester? - Sie hat sich erfolgreich zur Fachkrankenschwester für den Operationsdienst weitergebildet.

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Aus dem Buch der Bildungsrepublik