Immer neugierig auf spannende Aufgaben!

Christoph Walther

1. Stellvertreter des Aufsichtsrats bei der ENSO Energie Sachsen Ost AG

Dresden, 22.10.2008

Foto: Christoph WaltherSchon in früher Kindheit interessierte ich mich für Technik. Kein Wunder, denn mein Spielplatz war das Sägewerk meines Onkels. Es stand in der Oberlausitz, wo ich 1951 geboren wurde. Die Dampfmaschine und der nahe Bahnhof weckten mein Interesse - alles wurde irgendwie nachgespielt. "Lokführer" war mein Berufsziel. Aber manchmal kommt es ja anders ...

Das Abitur habe ich in Dresden abgelegt. Parallel zum Gymnasium musste damals ein Beruf erlernt werden. Im Kamerawerk "Pentacon" wurde ich zum Dreher ausgebildet. Lückenlos schloss sich 1970 das Studium an. Da es was "technisches" sein sollte, ich aber keine konkreten Vorstellungen von einer Fachrichtung hatte, studierte ich schließlich Verfahrens- und Verarbeitungstechnik an der TU Dresden. Das Studium, das ich nach 4 Jahren als Diplom-Ingenieur abschloss, streifte alle technischen und naturwissenschaftliche Fachgebiete.

Die Berufsvermittlung erfolgte damals nach "volkswirtschaftlichen Erfordernissen", und so wurde ich im VEB Verbundnetz Gas in Leipzig eingestellt. Als frischgebackener Studienabsolvent musste ich mich sofort mit der Technik des Gastransports, der Gaslagerung und Gasverdichtung beschäftigen. Als Dispatcher für Netzsteuerung war ich dort zwei Jahre tätig und erlebte unter anderem die Einführung der Rechentechnik in der Prozesssteuerung.

Bedingt durch Familiengründung und Umzug war ich von 1976 - 1983 im Energiekombinat Dresden im Gaswerk Heidenau als Invest-Ingenieur für die Erneuerung der Produktionsanlagen verantwortlich. Das waren wieder andere Prozesse, die beherrscht werden mussten. Und da ich es genau wissen wollte, erwarb ich die Kranführerberechtigung und konnte auf einer Dampflok die Kesselheizerprüfung ablegen. Bis zur Stilllegung des Werkes war ich als Technischer Leiter tätig.

Nun galt es, etwas Neues zu finden - Ingenieurstellen in der Produktion waren leider keine frei. Ich bewarb mich daher - erfolgreich - als Erster Ingenieur für Rationelle Energieanwendung im Energiekombinat Dresden. Wieder ein neues und vielfältiges Fachgebiet! Hier war ich verantwortlich für die Identifizierung von Energieeinsparungen im Bereich Schulen, Gesundheitswesen, Sport und Kultur. Es galt, die rationelle Energieverwendung mit geringem Einsatz von Investitionen zu realisieren. Kreativität war gefragt. Einige unserer Ergebnisse konnten sogar zu einem Wirtschaftspatent weiterentwickelt werden.

Der "heiße Herbst" 1989 stellte auch mich vor die Frage, wie es denn im Unternehmen weitergehen könnte. Also begann ich mit einzelnen vertrauten Kollegen, Möglichkeiten für demokratische Reform im Unternehmen zu suchen. Ergebnis dieser Aktivitäten war die Gründung einer Art Betriebsrat Ende 1989. 1990 kam es unter Mitwirkung unseres Betriebrats schließlich zur Umwandlung des Unternehmens in eine Aktiengesellschaft. Schon wieder war alles neu!

Als Fachgruppenleiter errichtete und betrieb ich zahlreiche Energieberatungsstellen für unsere Kunden. Dazu gehörten zahlreiche Schulungen, um alles qualifiziert zu bewältigen und auch meine Mitarbeiter für ihre Aufgaben entsprechend vorbereiten zu können.

Nebenbei war ich als Betriebsrat tätig. 1999 wählte man mich in den Aufsichtsrat der ESAG - heute ENSO - und zum stellvertretenden Vorsitzenden. Gleichzeitig wurde ich Mitglied im Aufsichtsrat des Mutterunternehmens, der EnBW Energie Baden-Württemberg AG in Karlsruhe. Das bedeutete erneut, sich neue Kenntnisse anzueignen, wie Betriebswirtschaft, Aktienrecht, Personalrecht usw. Inzwischen überwog die Arbeit im Aufsichtsrat und Betriebsrat, sodass ich seit Ende 2000 diese Tätigkeit hauptberuflich ausführe.

Doch ist das nun das Ende vom lebenslangen Lernen? Wohl kaum! Unternehmen werden internationaler und Fremdsprachenkenntnisse bekommen immer mehr Bedeutung. Durch die Mitarbeit in einem Arbeitskreis für Bilanzen in Paris habe ich bereits mit dem Erlernen der französischen Sprache begonnen ...

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