Selbstbewusst durch Bildung!

Elif Daglayan

19-Jährige Auszubildende und Teilnehmerin am Projekt "Futuro" des CGIL-Bildungswerks e. V. in Offenbach

Offenbach (Main), 17.10.2008

Foto: Elif DaglayanAls ich mit 6 Jahren aus der Türkei nach Deutschland kam, konnte ich überhaupt kein Deutsch und musste zunächst Deutschkurse besuchen. Dennoch habe ich es mit viel Fleiß geschafft, die Sprache zu erlernen, um den Hauptschulabschluss mit einem guten Notendurchschnitt zu erwerben.

Doch obwohl ich meinen Abschluss mit guten Noten erlangt hatte, für verschiedene Berufe offen war und mich oftmals beworben hatte, fand ich keinen Ausbildungsplatz. Zunächst einmal war ich am Verzweifeln, doch dann kam ich auf die Idee, zur Arbeitsagentur zu gehen  und mir helfen zu lassen. Nach einer langen Aufnahmeprozedur schickte mich die Agentur zu einer Schule, die mich auf den Beruf vorbereiten sollte und mir bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz behilflich sein sollte. Die Schule besuchte ich ein ganzes Jahr. Am Ende stand ich aber wieder ohne eine Ausbildung da. Alles war viel schwieriger, als ich es mir sowieso schon gedacht hatte. Ich war wieder da angelangt, wo ich ein Jahr zuvor schon einmal stand. Nämlich im Zimmer meines Beraters bei der Arbeitsagentur. Doch dieses Mal schien er mir nicht helfen zu können. Immer wieder lud er mich zu Beratungsgesprächen ein, ein konkretes Angebot für mich hatte er aber nicht. Nach langem Hin und Her schickte er mich dann zum CGIL-Bildungswerk e. V. Ich war zunächst skeptisch: Schon wieder sollte ich mich weiterbilden, um am Ende eventuell wieder ohne Abschluss dazustehen.

Nachdem ich mich überwinden konnte, nahm ich mit dem CGIL-Bildungswerk Kontakt auf. Sie luden mich zu einem Aufnahmegespräch ein und teilten mir mit, dass die Maßnahme "Futuro" in Kürze beginnt. Im Kurs erfuhr ich, dass das Bildungswerk mich schult, mich aktiv bei der Suche nach einem geeigneten Platz unterstützt und mir zudem auch ein Praktikum vermittelt. Außerdem sei es möglich, das Praktikum in der Türkei zu machen. Das interessierte mich natürlich sehr. So hatte ich die Möglichkeit, auf eigenen Beinen zu stehen und alleine mein Arbeits- und Privatleben in ein Gleichgewicht zu bringen. Weit weg von Familie und Freunden sollte ich die Möglichkeit bekommen in einem betreuten Rahmen meine Lebenserfahrungen zu sammeln. Also besprach ich das mit meiner lieben Mutter, bekam das Einverständnis von meinem Vater und bewarb mich mit der Unterstützung meiner Familie für ein Praktikum in einem 5-Sterne Hotel in der Türkei.

Hier habe ich vor allem an der Rezeption gearbeitet. Daneben erhielt ich Unterricht in Kultur und Sprache der Türkei. Vor allem die Arbeit an der Rezeption gab mir sehr viel Selbstbewusstsein und machte mich stark. Der Kontakt zu Gästen aus aller Welt mit ihren vielfältigsten Wünschen und Kritiken stärkte mich im Umgang mit anderen Menschen und in der Präsentation meiner eigenen Person. Nebenbei verbesserte ich meine Englisch- und Türkischkenntnisse und lernte sogar ein bisschen Russisch. Die Zeit verging sehr schnell.

Weil ich mich mit Hilfe des Bildungswerks auch während der Zeit des Auslandspraktikums beworben hatte, bekam ich weitere Einladungen zu Vorstellungsgesprächen. Zurück in Deutschland machte ich so ein Praktikum im Einzelhandel im Bereich der Bürokommunikation. Während dieser Zeit durfte ich auch noch Schnupperpraktika und Probetage in anderen Betrieben machen und sammelte so weitere Erfahrungen. Jeder Betrieb war an meiner Geschichte und meinen Erfahrungen im Ausland interessiert. Schließlich entschied ich mich für den Beruf der Arzthelferin. Nach den Praktika begann ich mit der Ausbildung bei Herrn Prof. Dr. H. Jürgen Wilhelm in der HNO Gemeinschaftspraxis Frankfurt-Sachsenhausen.

Die Arbeit hier macht riesigen Spaß und ich bin davon überzeugt, dass ich auch die Ausbildung sehr gut meistern werde!

Das Buch unterwegs: Hier finden Sie interessante Informationen zur Buchtour quer durch Deutschland.

Aus dem Buch der Bildungsrepublik