Prof. Dr.-Ing. habil. Djamshid Tavangarian
Leiter des Lehrstuhls für Rechnerarchitektur an der Universität Rostock
Rostock, 23.09.2008
Es war ein früher Februarmorgen, als ich in Deutschland ankam. Ich hatte mich von Teheran, meiner iranischen Heimatstadt, aufgemacht, um in Europa Elektrotechnik zu studieren. Von Technik war ich fasziniert, seit ich als 13-jähriger Junge in einem Trödelladen in der Altstadt einen verstaubten Projektor fand. Ich bastelte das Gerät um zu einem Filmvorführgerät, mit dem meine Freunde und ich Kino spielten. Es funktionierte, die Nachbarn waren begeistert.
Mein Vater erkannte meine Affinität zur Technik und unterstützte mich nach allen Kräften. Da Bildung in der iranischen Kultur einen hohen Stellenwert besitzt, die Universitäten des Landes jedoch über begrenzte Kapazitäten verfügen, entschied ich mich schließlich, im österreichischen Graz ein Studium aufzunehmen. Ende der 60er Jahre, in der turbulenten Zeit der Studentenunruhen, wechselte ich nach dem Vordiplom nach Berlin. Ich schrieb mich in dieser aufregenden Stadt für das Fach Informatik ein - eine Disziplin, die damals noch in den Kinderschuhen steckte. Ein gewisser Pioniergeist und eine gehörige Portion Neugier hatten mich zu diesem Schritt bewogen. Damals wusste ich noch nicht, dass ich in diesem Fachbereich einmal meine Berufung finden sollte. Die Informatik ließ mich nicht mehr los und so folgten schließlich Promotion und Habilitation in diesem Fach.
Der Wissenschaft blieb ich fortan verhaftet, seit 1995 an der Universität der wunderschönen Hansestadt Rostock. Hier fand ich optimale Voraussetzungen, um zusammen mit meinem Team neuen Ideen, Forschungsthemen und gesellschaftlichen Fragestellungen nachzugehen und sie in meinem Umfeld, auf nationaler und internationaler Ebene Realität werden zu lassen. Hierzu zählen z. B. die Einführung der weltweit ersten drahtlosen Kommunikation an einer Hochschule und die Notebook-University in Deutschland.
Unter anderem, angeregt durch meinen persönlichen Bildungsweg, haben wir das Projekt Juniorstudium initiiert, das bereits die Schüler der gymnasialen Oberstufe in universitäre Prozesse integrieren soll. Wir unterbreiten den Schülern ein innovatives Bildungsangebot, welches die Vorteile eines Frühstudiums mit modernen E-Learning-Methoden kombiniert. Die Orts- und Zeitunabhängigkeit dieser Art des Lernens ermöglicht insbesondere in einem Flächenland wie Mecklenburg-Vorpommern eine frühzeitige Studienorientierung für Schüler, unabhängig von der Entfernung zum Universitätsstandort. Ich denke, das Juniorstudium leistet einen Beitrag dazu, die in Deutschland dringend benötigten "klugen Köpfe" schneller und besser auszubilden.
Bildung stellt in meiner Biographie eine der wichtigsten Säulen dar, welche ich untrennbar mit meiner Wahlheimat Deutschland verbinde. Das Land hat mir auf meinem Bildungsweg alle Türen geöffnet. Mit meinem Engagement möchte ich etwas von den Chancen, die dieses Land mir geboten hat, zurückgeben. Ich erhoffe mir davon, eine dauerhafte Entwicklung anzustoßen und zukünftig möglichst vielen jungen Menschen den Weg zu wissenschaftlicher Bildung zu ebnen.
"Wer aufhört zu lernen, ist alt. Er mag zwanzig oder achtzig sein." (Henry Ford)
Das Buch unterwegs: Hier finden Sie interessante Informationen zur Buchtour quer durch Deutschland.