Dr. Sabine Kesting, Geschäftsführerin des Vereins zur Weiterbildung von Frauen e. V., Rostock
Rostock, 23.09.2008
Im Jahr 1990 stand ich beruflich an einem Scheideweg: Mein Arbeitsvertrag als Wissenschaftliche Mitarbeiterin an einem landwirtschaftlichen Forschungsinstitut lief zum Jahresende aus. Ich beschloss, diese Chance für einen beruflichen Neuanfang zu ergreifen und etwas ganz Anderes zu versuchen. Bevor ich mir ernsthafte Gedanken machen konnte, kam der Zufall mir zu Hilfe: Ich erfuhr von der Suche nach aufgeweckten Fachfrauen, die in Rostock ein FrauenTechnikZentrum (FTZ) aufbauen sollten. Mit Unterstützung von Gleichstellungsbeauftragten und aktiven Frauen wurde der Verein 1991 gegründet und das FTZ als erstes und bisher bekanntestes Projekt im Verein eröffnet. Durch regelmäßige eigene Weiterbildung konnte ich viele Erfahrungen für ergebnisorientierte Weiterbildungsangebote und deren Durchführung sammeln - von der Personalauswahl über den Personaleinsatz bis zur Einhaltung von Qualitätskriterien.
Das Projekt "Modulare Qualifizierung in der Elternzeit" (durchgeführt von 2000 bis 2008, gefördert vom Europäischen Sozialfonds und vom Land Mecklenburg-Vorpommern) lag uns besonders am Herzen. Durch die Vielfalt der Kombinationsmöglichkeiten, die individuelle Betreuung und die frühzeitige Einbindung von Arbeitgebern konnten wir gute Erfolge erzielen.
Schon beim Abschluss des Qualifizierungsvertrages wird den Interessierten klar, dass sie im FTZ nicht einfach nur starre Kurse besuchen, sondern sich gezielt auf den beruflichen Wiedereinstieg vorbereiten. Das FTZ stellt hierzu eine Reihe von Möglichkeiten bereit; unsere Mitarbeiterinnen unterstützen die Teilnehmerinnen partnerschaftlich und engagiert. Das Wichtigste aber ist die Engagement der Teilnehmerinnen.
Je nach individuellem Bedarf nutzen die Teilnehmerinnen das Projekt auf ganz unterschiedliche Weise. Interessierte mit klar abgegrenztem Bildungswunsch können ihr Ziel durch die Teilnahme an speziellen Modulen in kurzer Zeit erreichen. Andere, die nur einen Bildungsscheck für eine berufsspezifische Weiterbildung bei einem anderen Träger benötigen, können die Weiterbildung in wenigen Wochen, zum Teil auch als Wochen- oder Wochenendseminar, absolvieren. Die meisten Teilnehmerinnen kombinieren jedoch mehrere Module, z. B. IT-Anwendungen mit kaufmännischen Inhalten wie Finanzbuchhaltung, Kaufmännischer Schriftverkehr oder Fakturierung. Frauen aus dem Hotel- und Gaststättengewerbe können ihr Englisch verbessern, Arbeitsuchende kombinieren die berufsspezifischen Module mit Bewerbungstraining und einem Praktikum. Auch die Dauer der Kurse ist individuell gestaltbar: Nicht immer sind Kurse von 40 Stunden, verteilt auf zehn Wochen, zum Erreichen eines individuellen Lernziels nötig. Effektiv und zeitsparend sind unsere Kleingruppentrainings. Hier geht es um spezielle Fähigkeiten, die nur von wenigen Teilnehmerinnen für ihren Arbeitsplatz gebraucht werden, wie z. B. spezielle Grafik-Anwendungen oder Office-Telefonate in englischer Sprache. Ganz individuelle Betreuung durch eine Tutorin erhalten Teilnehmerinnen in einer Online-Schulung.
Der Erfolg jeder einzelnen Teilnehmerin bestätigt uns darin, Bildungsangebote auch künftig in einem Mix an Inhalten und Methoden aufzubereiten.
Das Buch unterwegs: Hier finden Sie interessante Informationen zur Buchtour quer durch Deutschland.