Der rote Faden Weiterbildung

Carola Christen

Leiterin der Volkshochschule Frankfurt (Oder), Vorstandsvorsitzende des VHS-Verbandes

Frankfurt (Oder), 26.09.2008

Carola ChristenDas Thema Weiterbildung zieht sich wie ein roter Faden durch mein Leben. Die erste "Begegnung" war ein Schreibmaschinenkurs in der Abiturzeit, von dem ich heute noch profitiere. Als Fremdsprachenlehrerin war es mir immer wichtig, meine Fähigkeiten weiterzuentwickeln. Regelmäßig nahm ich an Sommerkursen mit Muttersprachlern teil, auf die ich mich immer sehr gefreut habe, auch wenn die drei Wochen von den wohlverdienten Ferien abgingen.

Mit der Wende 1990 wurde mir sehr schnell klar, dass Russisch als Unterrichtsfach an Bedeutung verlieren würde, und so entschied ich, ein Fernstudium im Fach Englisch zu beginnen. Meine Freundin und ich waren die ersten, die sich selbstständig darum bemühten, lange bevor es eine systematische Organisation durch den Schulträger gab.

Mein Studium habe ich zu Ende gebracht, obwohl ein Studienabschluss durch meinen Wechsel zur Volkshochschule nicht mehr zwingend notwendig war. Und es blieb nicht bei einem Studium, denn die neue Tätigkeit als Leiterin der Volkshochschule forderte wieder ganz andere Fähigkeiten: Verwaltungs- und Wirtschaftswissen sowie Führungskompetenzen. Das dreijährige berufsbegleitende Studium zur Diplom-Betriebsverwaltungswirtin an der VWA Frankfurt (Oder) hat mir wirklich viel für meine Arbeit gegeben.

Carola Christen und Peter WölfflingRückblickend waren diese insgesamt 7 Jahre eine harte Zeit und ich frage mich manchmal selbst, wie ich das geschafft habe. Die Familie mit drei Kindern (damals zwischen 6 und 14) war ja auch noch da. Ohne die Unterstützung meines Mannes und das Verständnis unserer Kinder, die oft genug zurückstecken mussten, wäre es sicher auch nicht gegangen. Auch das Entgegenkommen meines Arbeitgebers, der Stadtverwaltung Frankfurt (Oder), durch flexible Arbeitszeitgestaltung Freiräume zu schaffen, war entscheidend. Die Rahmenbedingungen müssen eben auch stimmen.

Diese eigenen Erfahrungen lassen mich mit sehr großem Respekt auf all diejenigen blicken, die an unserer Einrichtung ihren Schulabschluss nachholen oder abends Kurse besuchen. Ich weiß, was es bedeutet, sich nach der Arbeit noch einmal "auf die Schulbank" zu setzen. Ich weiß aber eben auch, wie wichtig Weiterbildung für die persönliche Entwicklung sein kann. Für mich ist Weiterbildung eine Selbstverständlichkeit, die sich aber nicht nur an organisierten Fortbildungen festmacht, sondern auch an einem wachen Interesse für Neues und Unbekanntes, für die Welt und die Menschen um mich herum. Ein gutes Buch, eine informative Fernsehsendung, die Begegnung mit andern Kulturen, zum Beispiel auf Reisen, gehören für mich genauso dazu.

Das Buch unterwegs: Hier finden Sie interessante Informationen zur Buchtour quer durch Deutschland.

Aus dem Buch der Bildungsrepublik