Mehr Bildung für Beschäftigte

Dirk Höhner

Geschäftsführer der Kooperationsstelle Wissenschaft und Arbeitswelt (KOWA) an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder)

Frankfurt (Oder), 26.09.2008

Dirk HöhnerNach dem Abitur machte ich eine Banklehre und engagierte mich neben der Ausbildung als Jugend- und Auszubildendenvertreter. Schon in dieser Zeit konnte ich an verschiedenen Weiterbildungsseminaren teilnehmen, die es mir ermöglichten, meine Aufgabe kompetent zu erfüllen. Von dort war es nur ein kleiner Schritt, um als "Teamer" in einer Vielzahl von Seminaren die erworbenen Kenntnisse an andere weiter zu geben.

Ich wollte jedoch die Optionen für meine berufliche Zukunft erweitern: Mit Hilfe eines Stipendiums studierte ich Betriebswirtschaftslehre. Nach Abschluss meines Studiums wollte ich nicht wieder bei einer Bank arbeiten. Ich wollte dorthin, wo Wissenschaft und Arbeitswelt, Universität und Beruf ganz eng zusammen kommen. Die Gründung der Kooperationsstelle Wissenschaft und Arbeitswelt (KOWA) machte es möglich, meine in Beruf, Gewerkschaft und Hochschule gesammelten Erfahrungen gebündelt einzusetzen.

Dirk Höhner mit Studierenden der Viadrina-UniversitätZiel unserer Arbeit bei der KOWA ist es, als Bindeglied zwischen Universität und Arbeitswelt wissenschaftliche Erkenntnisse für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in der Region Frankfurt (Oder) zu erschließen und sie daran teilhaben zu lassen. Aber auch Studierende versuchen wir durch studienbegleitende Qualifizierungsangebote und die Vermittlung von Praktika bei ihrem Sprung ins Arbeitsleben oder in die Selbständigkeit zu unterstützen. Die enge Zusammenarbeit von Betrieben und Hochschulen sichert den Wissenstransfer und steigert die fachliche Kompetenz. Kontakte zu Unternehmen können in individuellen Gesprächen, auf Tagungen und in Gesprächsrunden, die im Rahmen des Projektes an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder) und an der Brandenburgischen Technischen Universität in Cottbus veranstaltet werden, aufgebaut werden.

Zwei Beispiele:

Das Projekt "la FEMME" - Frauen erfolgreich mit Mut & Engagement unterstützt qualifizierte junge Frauen bis 35 Jahre bei der Suche nach passenden Stellen. In ausführlichen Einzelgesprächen werden die Qualifikationen und Ziele der Frauen aufgenommen, um daraus passgenaue und attraktive berufliche Perspektiven in der Region zu entwickeln. Gleichzeitig werden kleine und mittlere Unternehmen im Land bei ihrer langfristigen Personalplanung und Personalentwicklung unterstützt. Durch Praktika und gezielte, am konkreten Arbeitsplatzbedarf orientierte Weiterbildungsmaßnahmen konnten bereits zahlreiche Frauen in sozialversicherungspflichtige Arbeitsverhältnisse vermittelt werden. Andere konnten durch die Qualifizierung ihre Berufschancen deutlich verbessern bzw. ihre Arbeitsplätze sichern.

Dirk Höhner mit dem Buch der BildungsrepublikDas Projekt "Hochschulbotschafterinnen und Hochschulbotschafter in Cottbuser Unternehmen - Absolventinnen und Absolventen für die lokale Wirtschaft" richtet sich an Hochschulabsolventinnen und -absolventen, die im Anschluss an ihr Studium keinen Arbeitsplatz gefunden haben und deshalb ALG II beziehen. Über ein auf die regionale wirtschaftliche Situation zugeschnittenes Job-Coaching konnte bereits zahlreichen Teilnehmerinnen und Teilnehmer eine qualifizierte Arbeitsstelle vermittelt werden.

Eine neue Initiative zur Qualifizierung von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern in der Region steht kurz vor ihrem Start: In einer neu gegründeten deutsch-polnischen ArbeitnehmerInnenakademie werden ab Dezember 2008 Beschäftigte aus Deutschland und Polen in einem berufsbegleitenden Seminarzyklus über je zwölf Monate gemeinsam für die Lebens- und Arbeitsbedingungen in beiden Ländern qualifiziert.

Mein persönliches Fazit: Bildung, berufs- und studienbegleitend, ermöglicht viele neue Perspektiven. Sie sichert den Arbeitsplatz und eröffnet neue Chancen.

 

 

Das Buch unterwegs: Hier finden Sie interessante Informationen zur Buchtour quer durch Deutschland.

Aus dem Buch der Bildungsrepublik