Sabrije und Rike - eine Erfolgsgeschichte

Sabrije Nuha (Schülerin) und Friederike Schewe (Betreuerin), Schlauberger Projekte in der Albert Schweitzer Schule

Münster, 20.09.2008

Friederike Schewe und eine Schülerin"Migration - eine Herausforderung für die Bildungspolitik", lautete der Titel meiner Abschlussarbeit im Rahmen des Ersten Staatsexamens in Soziologie. Dabei musste ich schnell feststellen, dass Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund im deutschen Bildungssystem nach wie vor stark benachteiligt sind. Einige mögliche Ursachen dafür lassen sich in bildungssoziologischen Theorien finden, aber dann?

Sich mit dieser Situation zufrieden zu geben, zu sagen, sie sei systemisch bedingt und damit nicht zu ändern - diese Aussicht passte mir nicht.

Durch einen Aushang in der Uni wurde ich zufällig auf das Schulprojekt Schlauberger der GGUA Flüchtlingshilfe Münster aufmerksam: Ein Projekt, das sich die Förderung von Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund zur Aufgabe macht und immer auf der Suche nach Verstärkung ist für ein Team ehrenamtlicher Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die in einer "eins-zu-eins-Betreuung" Sprachförderung, Hausaufgabenhilfe etc. für Grundschulkinder nichtdeutscher Erstsprache übernehmen. Das Schlauberger-Konzept der GGUA hat mich überzeugt.

Mein erster "Schützling" hieß Sabrije, ein Mädchen aus dem Kosovo, das mit seiner Familie seit einem Jahr in Deutschland lebte und hier in Münster in die dritte Klasse ging. Sabrije war begabt. Sie lernte schnell und verbesserte ihre Deutschkenntnisse immer weiter. Trotzdem gab es immer wieder Probleme, weil sie Aufgaben nicht verstand, Wörter nicht kannte, sich nur ungenau ausdrücken konnte. Deswegen half ich ihr einmal in der Woche bei den Hausaufgaben und unterstützte sie bei der Vorbereitung von Klassenarbeiten. Auch schulorganisatorische Fragen haben wir besprochen, denn für zugewanderte Familien, die das deutsche Bildungssystem selbst nicht durchlaufen haben, ist die Hilfe in diesem Punkt fast genauso wichtig wie die Hilfe beim Deutschlernen und den Hausaufgaben. Oft plauderten wir einfach nur - über die Schule, Freunde, Familie, den Kosovo, ihr Leben in Münster usw. Und zu einer richtigen Förderung gehören natürlich auch Besuche im Zoo und im Kindertheater, Stadt- und Schulfeste und und und...

Das war im Herbst 2006. Inzwischen besucht meine "Schlaubergerin" Sabrije die fünfte Klasse eines Gymnasiums. Den Kontakt halten wir nach wie vor - wir sind richtige Freundinnen geworden.

Das Buch unterwegs: Hier finden Sie interessante Informationen zur Buchtour quer durch Deutschland.

Aus dem Buch der Bildungsrepublik